Komponistin

Ganz neue Klänge rahmen den Abend ein, stehen doch an diesem 1. Dezember 2018 zwei Uraufführungen der in Fürth lebenden Komponistin Yulim Kim auf dem Programm. Mit „Atalja“ nimmt sie die Frage auf, wer Geschichte schreibt, wessen Position im Rückblick als die „richtige“ erscheint und wem die Geschichtsschreibung den schwarzen Peter zuschiebt.

Atalja, eine Königin aus dem Alten Testament, ist so eine von den Siegern dämonisierte Herrscherin, der Kim, Herrschel und Isalv eine Stimme geben, eine Chance, sich zu rechtfertigen, ihr Leben zu retten. Isalvs dramatische Stimme reizt alle Gefühlslagen von blankem Hohn bis zu bewundernswerter Gefasstheit aus, verlässt am Ende mit den Worten „Ich bin bereit“ ihren Platz – und lässt doch alle Fragen offen.

Kim verzichtet nämlich auch auf einseitige Glorifizierung zugunsten der in der Bibel geschmähten Frau. Ob sie unschuldig, halb schuldig oder nur eine geschickte Schauspielerin ist, kann man bis zum Schluss nicht sagen, auch die Musik verrät es nicht. Was bleibt, ist die Bewunderung für eine starke, charismatische Frau. Das Urteil der Geschichte wird nicht revidiert, es wird nur auf unbequeme Weise in Frage gestellt.

(Fürther Nachrichten, Montag, 3. Dezember 2018, S. 38.)




Pianistin